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Amazon-Bestandsmanagement: Engpässe und Überbestände vermeiden

14. Okt. 2024
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Sept.



Amazon-Bestandsmanagement und Lagerbestand planen

Zu wenig Bestand kostet Umsatz. Zu viel Bestand bindet Kapital und verursacht zusätzliche Lagerkosten. Ein gutes Amazon-Bestandsmanagement muss deshalb zwei gegensätzliche Risiken miteinander ausgleichen: Deine Produkte sollen lieferbar bleiben, ohne dass sich unverkäufliche Mengen im Lager ansammeln.

Dafür reicht es nicht, gelegentlich den aktuellen FBA-Bestand zu kontrollieren. Eine verlässliche Planung berücksichtigt Verkaufszahlen, Wiederbeschaffungszeiten, saisonale Schwankungen, bereits bestellte Ware und mögliche Verzögerungen.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du deinen Lagerbestand systematisch planst und rechtzeitig auf Engpässe oder Überbestände reagierst.


Warum Bestandsmanagement auf Amazon so wichtig ist

Ist ein Produkt nicht verfügbar, kannst du keine Verkäufe erzielen. Gleichzeitig verlieren Werbekampagnen ihre Wirkung und die organische Entwicklung des Listings kann beeinträchtigt werden.

Überbestände verursachen andere Probleme:

  • Kapital bleibt langfristig in der Ware gebunden.

  • Lager- und Logistikkosten steigen.

  • Für neue oder profitablere Produkte fehlt Liquidität.

  • Saisonale Ware kann nach Ende der Nachfrageperiode schwer verkäuflich werden.

  • Bei FBA können zusätzliche Gebühren oder Kapazitätsprobleme entstehen.

  • Langsam drehende Ware muss eventuell reduziert, zurückgesendet oder anderweitig verwertet werden.

Die optimale Bestandsmenge ist deshalb nicht die größtmögliche Menge, sondern ein Bestand, der zur tatsächlichen Nachfrage, Marge und Lieferkette passt.


Verkaufsdaten richtig auswerten

Die Grundlage jeder Bestandsplanung sind belastbare Verkaufsdaten. Der aktuelle Lagerbestand allein sagt noch nicht aus, wie lange die Ware reichen wird.

Betrachte für jedes Produkt mindestens:

  • durchschnittliche tägliche oder wöchentliche Verkäufe

  • Entwicklung der Verkäufe in den vergangenen Wochen und Monaten

  • saisonale Veränderungen

  • geplante Werbeaktionen

  • Auswirkungen von Preisänderungen

  • laufende PPC-Kampagnen

  • aktuelle Lieferzeit des Lieferanten

  • Transport- und Bearbeitungszeiten

  • bereits produzierte oder versendete Ware

  • vorhandenen Bestand außerhalb von Amazon

Dabei solltest du kurzfristige Verkaufsspitzen nicht automatisch als neue Normalität interpretieren. Ein Rabatt, eine zeitlich begrenzte Werbeaktion oder eine ungewöhnlich starke PPC-Kampagne kann den Absatz vorübergehend erhöhen.

Vergleiche deshalb mehrere Zeiträume und prüfe, wodurch Veränderungen entstanden sind.


Reichweite des aktuellen Bestands berechnen

Eine wichtige Kennzahl ist die Bestandsreichweite. Sie zeigt dir, wie viele Tage oder Wochen dein aktueller Bestand bei gleichbleibendem Absatz voraussichtlich ausreicht.

Eine vereinfachte Berechnung lautet:

Bestandsreichweite = verfügbarer Bestand ÷ durchschnittlicher täglicher Absatz

Beispiel:

Du hast 600 verkaufsfähige Einheiten auf Lager und verkaufst durchschnittlich 20 Einheiten pro Tag.

600 ÷ 20 = 30 Tage Bestandsreichweite

Diese 30 Tage sind jedoch nur eine Momentaufnahme. Wenn eine Verkaufsaktion bevorsteht oder die Nachfrage saisonal steigt, kann der Bestand deutlich früher aufgebraucht sein.

Berücksichtige außerdem, ob ein Teil der Ware reserviert, in Bearbeitung, unterwegs oder noch nicht für den Verkauf verfügbar ist.


Den richtigen Nachbestellzeitpunkt bestimmen

Der Nachbestellzeitpunkt hängt nicht allein vom aktuellen Lagerbestand ab. Entscheidend ist, wie viel Ware während der gesamten Wiederbeschaffungszeit voraussichtlich verkauft wird.

Zur Wiederbeschaffungszeit gehören beispielsweise:

  • Bearbeitung der Bestellung

  • Produktionsdauer

  • Qualitätskontrolle

  • Verpackung und Etikettierung

  • Transport

  • Zollabwicklung

  • Anlieferung an dein Lager oder Amazon

  • Einbuchung und Verfügbarkeit bei FBA

Eine vereinfachte Formel für den Meldebestand lautet:

Meldebestand = erwarteter Absatz während der Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitsbestand

Beispiel:

Du verkaufst durchschnittlich 15 Einheiten pro Tag. Von der Bestellung beim Lieferanten bis zur Verkaufsbereitschaft bei Amazon vergehen 40 Tage.

15 × 40 = 600 Einheiten

Wenn du zusätzlich einen Sicherheitsbestand von 150 Einheiten einplanst, solltest du spätestens bei einem verfügbaren Gesamtbestand von ungefähr 750 Einheiten nachbestellen.

Die passende Höhe des Sicherheitsbestands hängt davon ab, wie stark dein Absatz schwankt und wie zuverlässig deine Lieferkette funktioniert.


Einen sinnvollen Sicherheitsbestand festlegen

Ein Sicherheitsbestand schützt dich vor unerwarteten Veränderungen. Dazu gehören:

  • stärkerer Absatz als geplant

  • Produktionsverzögerungen

  • verspätete Transporte

  • Probleme bei der Zollabfertigung

  • verzögerte FBA-Einbuchung

  • beschädigte oder nicht verkaufsfähige Ware

  • kurzfristige Änderungen der Lieferzeit

Ein hoher Sicherheitsbestand bietet mehr Schutz, bindet aber auch mehr Kapital. Ein zu kleiner Puffer erhöht dagegen das Risiko, dass dein Produkt nicht lieferbar ist.

Lege den Sicherheitsbestand deshalb nicht pauschal für das gesamte Sortiment fest. Ein umsatzstarker Bestseller mit langer Produktionszeit benötigt eine andere Absicherung als ein langsam drehendes Produkt, das kurzfristig nachbestellt werden kann.

Priorisiere Produkte nach:

  • Umsatz und Deckungsbeitrag

  • Verkaufsgeschwindigkeit

  • Lieferzeit

  • Schwankungsrisiko

  • strategischer Bedeutung

  • Verfügbarkeit alternativer Lieferanten


Saisonale Nachfrage und Aktionen einplanen

Vergangene Durchschnittswerte reichen nicht aus, wenn die Nachfrage stark von der Jahreszeit abhängt.

Weihnachtsgeschäft, Prime-Aktionen, Black Friday, Ferienzeiten oder produktspezifische Saisons können den Absatz deutlich verändern. Gleichzeitig sind Lieferanten und Transportunternehmen in solchen Zeiträumen häufig stärker ausgelastet.

Plane deshalb frühzeitig:

  1. Wann beginnt die relevante Verkaufssaison?

  2. Wie hoch war der Absatz im Vergleichszeitraum?

  3. Welche Preis- oder Werbeaktionen sind geplant?

  4. Wie stark soll das PPC-Budget erhöht werden?

  5. Wann muss die Ware spätestens verfügbar sein?

  6. Welche Verzögerungen sind realistisch?

  7. Was passiert mit nicht verkaufter Saisonware?

Bestelle saisonale Ware nicht nur auf Grundlage optimistischer Umsatzprognosen. Plane auch ein, wie du mit verbleibenden Beständen nach dem Saisonende umgehen würdest.


Engpässe frühzeitig erkennen und sinnvoll reagieren

Wenn sich ein drohender Engpass abzeichnet, hast du je nach Situation mehrere Möglichkeiten.

Nachlieferung beschleunigen

Prüfe, ob eine Teilmenge schneller produziert oder über einen schnelleren Transportweg geliefert werden kann. Die zusätzlichen Kosten solltest du mit dem voraussichtlichen Verlust durch einen Lagerausfall vergleichen.

Werbung kontrolliert anpassen

Wenn der Bestand knapp wird und kurzfristig keine Ware nachkommt, kann es sinnvoll sein, weniger rentable PPC-Kampagnen zu reduzieren. Profitable und strategisch wichtige Kampagnen solltest du jedoch nicht unüberlegt abschalten.

Preis und Absatz berücksichtigen

Eine Preisanpassung kann den Absatz beeinflussen. Sie sollte aber nicht allein zur Bestandssteuerung vorgenommen werden, sondern weiterhin zur Positionierung, Marge und Wettbewerbssituation passen.

Restbestand priorisieren

Wenn du auf mehreren Marktplätzen oder über verschiedene Verkaufskanäle verkaufst, solltest du prüfen, wo die Ware den höchsten wirtschaftlichen Nutzen erzielt. Berücksichtige dabei jedoch bestehende Lieferzusagen und die Verfügbarkeit der jeweiligen Angebote.


Überbestände erkennen und abbauen

Überbestände entstehen häufig durch zu optimistische Prognosen, rückläufige Nachfrage, verspätete Saisonware oder zu große Mindestbestellmengen.

Prüfe regelmäßig:

  • welche Produkte eine sehr hohe Bestandsreichweite haben

  • bei welchen Artikeln die Verkäufe zurückgehen

  • welche Ware saisonabhängig ist

  • welche Produkte Kapital binden, aber kaum Deckungsbeitrag erwirtschaften

  • welche Bestände zusätzliche Lagerkosten verursachen könnten

Mögliche Maßnahmen sind:

  • Produktdetailseite und Conversion prüfen

  • PPC-Kampagnen gezielt optimieren

  • Preisstrategie überarbeiten

  • zeitlich begrenzte Aktionen einsetzen

  • Varianten oder Bundles sinnvoll anpassen

  • Ware auf weiteren geeigneten Vertriebskanälen anbieten

  • Bestand zurücksenden oder anderweitig verwerten

  • zukünftige Bestellmengen reduzieren

Rabatte sind nicht automatisch die beste Lösung. Wenn das Listing kaum sichtbar ist oder wichtige Informationen fehlen, kann zunächst eine Optimierung des Angebots sinnvoller sein.


FBA-Bestand und Gesamtbestand getrennt betrachten

Für die Planung solltest du nicht nur den bei Amazon verfügbaren FBA-Bestand betrachten. Entscheidend ist dein gesamter Warenfluss.

Dazu gehören:

  • verkaufsfähiger FBA-Bestand

  • reservierte Einheiten

  • nicht verkaufsfähige Einheiten

  • eingehende FBA-Sendungen

  • Ware im eigenen oder externen Lager

  • Ware im Transport

  • bestellte, aber noch nicht produzierte Einheiten

Eine große Menge bestellter Ware verhindert keinen kurzfristigen Engpass, wenn sie erst in mehreren Monaten verkaufsbereit ist. Umgekehrt kann ein niedriger FBA-Bestand unproblematisch sein, wenn Ware kurzfristig aus einem Zwischenlager nachgeliefert werden kann.


Bestandsplanung regelmäßig aktualisieren

Bestandsmanagement ist keine einmalige Berechnung. Verkaufszahlen, Lieferzeiten und Kosten verändern sich.

Erstelle deshalb einen festen Kontrollrhythmus. Schnell drehende oder saisonale Produkte solltest du häufiger prüfen als Artikel mit stabilem, niedrigem Absatz.

Eine regelmäßige Bestandsübersicht sollte mindestens enthalten:

  • aktuellen Gesamtbestand

  • durchschnittlichen Absatz

  • Bestandsreichweite

  • Wiederbeschaffungszeit

  • Sicherheitsbestand

  • geplanten Nachbestellzeitpunkt

  • offene Bestellungen

  • voraussichtliches Ankunftsdatum

  • Kapitalbindung

  • erwartete Lagerkosten

Mit einer zentralen Übersicht erkennst du frühzeitig, welche Produkte Aufmerksamkeit benötigen.


Fazit: Bestand anhand von Daten statt Bauchgefühl planen

Ein gutes Amazon-Bestandsmanagement hält deine Produkte lieferbar, ohne unnötig viel Kapital in Ware zu binden.

Entscheidend sind nicht nur die bisherigen Verkaufszahlen. Auch Wiederbeschaffungszeit, Sicherheitsbestand, saisonale Schwankungen, laufende Werbemaßnahmen und bereits bestellte Ware müssen in die Planung einbezogen werden.

Wenn du deine Bestandsreichweite regelmäßig kontrollierst und den Nachbestellzeitpunkt für jedes wichtige Produkt individuell festlegst, kannst du viele Engpässe und Überbestände frühzeitig vermeiden.

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